Der iranische Flüchtling Abbas Talebi berichtet, wie er in Teheran zum Glauben an Jesus Christus fand und was ihn und seine Familie zur Flucht aus dem Iran getrieben hat:
(In persischer Sprache finden Sie den Vortrag hier)

“Im Johannes-Evangelium steht mein Lieblings-Bibelvers: “Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern das ewige Leben hat.” (Joh. 3, 16) Ich möchte, dass alle Menschen die gute Nachricht von Jesus Christus hören. Deshalb berichte ich darüber, wie ich zum Glauben an Jesus gefunden habe.

Ich heiße Abbas Talebi, bin 38 Jahre alt, verheiratet mit Elham. Wir haben zwei Kinder Daniyal und Armin, der in Deutschland geboren ist. Zur Zeit wohnen wir in Arnstein und ich arbeite in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis als Elektriker bei Firma MIWE in Arnstein. Ich bin in Teheran geboren und im Februar 2013 mit meiner Familie nach Deutschland geflohen. Das Bundesamt hat mich als Flüchtling nicht anerkannt. Sie haben mir nicht geglaubt.

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Ich habe als Moslem gelebt wie mein Vater und wie meine ganze Familie. Ich habe nach der Scharia, nach dem Gesetz des Islam gelebt, aber ich hatte keine herzliche Beziehung zu Gott. Ich hatte Angst vor Gott und vor der Hölle. Der Koran hat mir Angst gemacht. Ich habe den Islam als Druck erlebt. Ich hatte das Gefühl: “Ich bin schuldig” und war sehr unglücklich, war nervös und aggressiv. Ich konnte andere Menschen nicht lieben und ich war mit mir selber unzufrieden. Ich habe viel geschimpft auf alles. Meine Eltern haben zu mir gesagt, wenn ich heiraten würde, dann würde mein Leben besser werden. Aber ich selbst bin nicht besser geworden. Ich habe viel mit meiner Frau gestritten und geschimpft. Durch die Gebete habe ich versucht meine Aggressivität zu mindern. Aber das hat nicht geklappt. Meine Ehe war fast zerstört.

Jesus Christus kennengelernt

In meiner Firma Topkhodro, in der ich der Montage von Mercedes -Autos beschäftigt war, lernte ich einen Kollegen kennen, Herrn F.. Er war anderes als die anderen. Er war immer gut zu anderen  Menschen, auch zu den jungen Kollegen, immer freundlich und liebevoll. Ein ganz besonderer Mensch. An einem Nachmittag habe ich in der Arbeitspause in einem Ruheraum der Firma gebetet. Es war im Jahr 1388 nach iranischem Kalender. Nach deutschem Kalender war das 2009. Nach dem Gebet war ich wieder sehr aufgebracht und habe geschimpft und Schimpfwörter gesagt. Herr F. hat das gesehen und zu mir gesagt: ” Du hast gerade gebetet und hast schon gleich wieder Schimpfwörter im Kopf. Du hast gerade den Namen Gottes genannt. Warum machst du deinen Mund wieder unrein?” Das hat mich nachdenklich gemacht. Ich habe geantwortet: “Sie sind immer so freundlich und gelassen.  Wie schaffen Sie das? Bitte helfen Sie mir!” Er:” Okay, ich kann dir helfen, aber du darfst mit niemanden drüber reden.” Dann habe ich ihm meine Probleme gesagt und ihm mein ganzes Leben erzählt. Nachdem ich ihm alles erzählt hatte, hat er von Jesus Christus gesprochen. Dass Jesus für unsere Schuld am Kreuz gestorben ist und uns unsere Schuld vergibt. Dann können wir in Freiheit leben. Herr F. hat mir gesagt, dass ich meine Schuld an Jesus Christus am Kreuz geben kann. Ich habe ihm einfach vertraut. Herr F. hat mir eine Bibel gegeben und hat für mich gebetet, dass meine Aggressionen verschwinden. Ich konnte danach tatsächlich keine schlechten Wörter mehr sagen. Meine Frau hat auch gemerkt, dass ich ganz anders geworden bin. Wir haben nicht mehr gestritten. Sie hat sich gewundert. Ich habe ihr alles erzählt, habe ihr meine Bibel gezeigt und gesagt, dass ich darin lese und daran glaube. Sie konnte das nicht annehmen und sie ist zu ihren Eltern  gegangen. Sie hat mich verlassen. Am Telefon habe ich sie gefragt, dass sie mir erlauben soll, mit ihr zu sprechen. Nach einiger Zeit war sie damit einverstanden. Ihre Mutter hat sie gefragt, ob sie ein Problem mit ihrem Mann hat. Da hat sie ihr gesagt, das ich vom Islam ausgetreten bin und zum Christentum gewechselt bin. Ihre Mutter hat gesagt: “Du hast die Wahl, entweder nimmst du deinen Mann oder uns.” Ich habe meiner Frau gesagt, dass ich ein anderer Mensch geworden bin. Und dass ich mich nicht schuldig fühle. Ich habe ihr empfohlen, auch die Bibel zu lesen. “Gib mir einen Monat Zeit. Ich will es dir beweisen. Dann kannst du dich entscheiden, ob du bleiben willst oder gehen willst.  Du kannst dann gehen und bist für immer frei.” Nach einem Monat hat sie sich für mich entschieden. Und sie ist bis jetzt bei mir.

Was mich überzeugt hat

Ich habe im Neuen Testament gelesen und habe es mit dem Koran verglichen. Mohammad hat Krieg geführt, Jesus hat Frieden gelehrt. Der Islam ist eine Staatsreligion. Die Scharia ist das Recht. Menschen werden sofort bestraft. Eine Ehebrecherin wird gesteinigt. Jesus sagt: “Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.” Im Islam ist Gott ein strafender Gott. Durch Jesus habe ich Gott kennengelernt als einen liebenden Gott, der die Schuld vergibt. Gott ist Liebe. Gott ist mein Vater. Jesus hat mich erlöst zum ewigen Leben. Ich muss keine Angst mehr haben. Das Evangelium ist eine gute Nachricht, für mich die beste Nachricht. Das Evangelium bedeutet Freiheit.

Ich habe mich dann oft mit Herrn F. getroffen und wir haben viel gesprochen in den Arbeitspausen über den christlichen Glauben und über die Bibel. Wie haben uns auch oft abends heimlich getroffen mit anderen, manchmal bei uns zuhause oder bei anderen. Das war gefährlich. Wir haben immer wieder neue Termine gemacht und uns immer an anderen Orten getroffen, damit wir nicht entdeckt werden. Es kamen auch immer mehr neue Freunde dazu. Sie haben noch nicht viel über das Christentum gewusst. Auch ich hatte viele Fragen an die Bibel. Herr F. hat mir alle Fragen beantwortet. Ich habe die Wahrheit kennen gelernt. Ich schaue auf Jesus. Ich bin neu geboren. Ich bin ein neuer Mensch. Ich kann andere Menschen lieben und Gottes Liebe weitergeben.

Wegen des Glaubens verfolgt

An der Universität hatten wir Islamunterricht. In den Pausen konnte ich mit den Kollegen auch über den christlichen Glauben reden und wir diskutierten viel. Auch am Arbeitsplatz konnte ich immer wieder über meinen Glauben reden. Im Jahr 2010 wechselte ich von der privaten Topkhodro (Mercedes Benz) zur staatlichen IRAN-Khodro, in der es mehr Kontrolle durch Bassidji gab. Ich musste sehr vorsichtig sein.
Was sind Bassidji? Bassidji sind entstanden aus der islamischen Revolutionsgarde, ähnlich wie in der DDR die Spitzel der Stasi. Sie kontrollieren die Einhaltung der islamischen Gebote in der Öffentlichkeit und am Arbeitsplatz und an der Universität. Sie sind eine “Moralpolizei” oder “Glaubenswächter”, die mit dem Sicherheitsdienst Herasat und dem Geheimdienst Etelaatt zusammen arbeiten.
Die Bassidji haben gemerkt, dass ich gegen den islamischen Staat geredet habe und vom christlichen Glauben. Anfang Januar 2013 kam es zu einer Auseinandersetzung mit Bassidji in der Firma. Sie haben mir gesagt: “Du redest gegen den islamischen Staat. Du bist ein Feind des Islam. Du sprichst von Jesus. Du machst Mission. Wir wissen alles. Du bist ein Christ.”
Nach der Arbeit haben mich zwei Männer abgeholt, in ein Auto gezerrt, einen Sack über den Kopf gezogen und mich weggebracht. Ich habe geschrien, dass ich unschuldig bin und sie sollen mich frei lassen. Sie haben mich beschimpft: “Wer bist du, dass du gegen den Islam redest. Wir wissen, dass du in deiner Firma missionierst. Dein Blut können wir jetzt schon fließen lassen.” Ich wurde in einen kleinen Raum eingesperrt und sie haben mich geschlagen und mit Füßen getreten. Sie wollten die Namen meiner Gruppe wissen und die Adressen und Telefon-Nummern. Sie haben mich mit einem Kabel geschlagen bis ich bewusstlos wurde. Als ich wach wurde, habe ich den Gebetsruf gehört und dadurch gemerkt, dass ich in einer Moschee oder einem Bassidji-Zentrum war. Sie haben mich wieder geschlagen und gesagt: “Jesus soll kommen und dir helfen” Sie werden mich töten. Sie werden meine Frau auf der Straße überfahren und meinen Sohn vom Spielplatz entführen. Dann wurde ich wieder bewusstlos und bin auf einem Feld aufgewacht. Ich bin zur Straße gekrochen und habe ein Auto angehalten. Elham hat mich drei Tage gesucht, hat in Krankenhäusern, bei der Polizei und am Arbeitsplatz angerufen. Dort hat man ihr gesagt, sie solle besser nicht weiter suchen. Als ich nach Hause kam wollte mich Elham zum Arzt bringen, weil mein Gesicht und ein Auge blutunterlaufen war. Am nächsten Tag bekamen wir einen Anruf von Herrn A., der im Büro des Sicherheitsdienstes als Schreiber arbeitet. Der Sicherheitsdienst hat meinen Schrank in der Firma durchsucht und eine Bibel und meine Notizen dazu gefunden. Ich soll auf keinen Fall mehr in die Firma kommen. Ich werde sonst festgenommen. Wir hatten große Angst und haben uns vier Wochen im Norden von Iran in einem Ferienhaus versteckt und sind dann aus dem Iran geflüchtet. Mit dem Flugzeug über Mailand nach Deutschland.

In Deutschland angekommen

In Nürnberg haben wir die FeG gefunden, wo an jedem Samstag ein persischer Gottesdienst ist. Später sind wir in die Gemeinschaftsunterkunft in Gänheim gekommen und wurden in der evangelischen Kirche in Arnstein getauft. Seit Februar 2015 besuche ich mit meiner Frau und meinen beiden Kindern die Freie evangelische Gemeinde in Karlstadt und seit Dezember 2015 einen Hauskreis der Gemeinde in Arnstein. Wir haben Jesus immer besser kennen gelernt und unser Glaube und unser Vertrauen auf Jesus ist gewachsen. Ich bin sehr froh, dass wir hier eine Heimat gefunden haben, in der wir unseren Glauben frei und ohne Angst leben und weitergeben können.”

d75_8877web2Gebet für die Familie Talebi in der Freien evangelischen Gemeinde Karlstadt.